KRONBERG/TAUNUS – 16. November 2010 – Der ständig wachsende Informationsfluss im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld stellt eine zunehmende Herausforderung für Unternehmensentscheider dar. Mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen (35 Prozent) fühlt sich durch den Informationsfluss und die ansteigende Datenmenge überfordert. Weltweit ist sogar mehr als jedes zweite Unternehmen (56 Prozent) dieser Meinung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die von Avanade, einem Anbieter von Business Technologie-Services, in Auftrag gegeben wurde. Das unabhängige Forschungsunternehmen Kelton Research befragte dafür mehr als 500 Vorstände, Manager und IT-Entscheider aus Deutschland und 16 weiteren Ländern. Die Studie hat untersucht, wie Unternehmen und Entscheider mit der stetigen Zunahme von Daten und Informationen umgehen.
Fehlentscheidungen aufgrund mangelnder Datenqualität Viele Unternehmen stehen dem zunehmenden Datenfluss besorgt gegenüber. So zeigen die Studienergebnisse, dass 42 Prozent der deutschen Teilnehmer große Sorge haben vor einer künftig steigenden Datenmenge und der damit verbundenen negativen Beeinflussung ihrer Tätigkeit. Mehr als jeder dritte hiesige Befragte (39 Prozent) hat darüber hinaus schon einmal fehlerhafte Unternehmensentscheidungen aufgrund von veralteten Daten oder mangelnder Datenqualität getroffen. Weltweit sagen dies sogar 46 Prozent der Umfrageteilnehmer. Deutsche Unternehmen, die bereits fehlerhafte Entscheidungen getroffen haben, geben an, dass die Daten veraltet waren (42 Prozent), zu ungenau waren (25 Prozent) oder aus fragwürdigen Quellen stammten (17 Prozent).
Aus diesem Grund will sich fast jedes zweite befragte Unternehmen in Deutschland (48 Prozent und 57 Prozent weltweit) im Rahmen seiner IT innerhalb der nächsten zwölf Monate auf den Bereich Informationsmanagement konzentrieren. Bisher sind 39 Prozent der inländischen Befragten mit ihren jeweiligen Softwarelösungen unzufrieden, die sie im Unternehmen implementiert haben, um irrelevante Daten herauszufiltern (43 Prozent weltweit). Weitere 29 Prozent der Studienteilnehmer sind unzufrieden mit den eingesetzten Tools, die es Mitarbeitern erlauben, effektiv nach Daten zu suchen (38 Prozent weltweit).
„Unternehmen müssen im ersten Schritt eine Informationskultur und -strategie entwickeln, um den Lebenszyklus ihrer Daten erfolgreich managen zu können. An diesem Prozess sollten auch Entscheider, Mitarbeiter und Partner aktiv teilhaben“, rät Tyson Hartman, Global Chief Technology Officer bei Avanade. „Erst eine klar definierte und sinnvolle Strategie ermöglicht es Unternehmen, gesammelte Daten als wichtige Basis für Unternehmensentscheidungen zu etablieren und hieraus aktive Handlungsempfehlungen abzuleiten.”
Hohe Datenabhängigkeit Trotz der Herausforderungen, denen Entscheider aufgrund des steigenden Informationsflusses im Unternehmen zu begegnen haben, ist die deutliche Mehrheit der deutschen Befragten (84 Prozent) der Meinung, dass eine hohe Datenmenge es ihren Mitarbeitern erlaubt, bessere Arbeit zu leisten. Weltweit vertreten 70 Prozent der Teilnehmer die gleiche Ansicht. Nur 16 Prozent der Unternehmen in Deutschland meinen hingegen, dass die hohe Menge an Daten zu einer verringerten Produktivität im Betrieb führt. 65 Prozent der inländischen Studienteilnehmer geben darüber hinaus an, dass die zunehmende Datenflut die künftige Arbeitsweise in Unternehmen grundlegend verändert wird (61 Prozent weltweit). Die restlichen 35 Prozent meinen, dass der so genannte Information Overload lediglich ein Hype sei, der vorübergehe. 55 Prozent der deutschen Befragten sagen zudem, dass die eigenen Unternehmensdaten für sie ein strategisches Unterscheidungsmerkmal zum Wettbewerb darstellen (46 Prozent weltweit).
Vorteile vs. Nachteile Die wesentlichen Vorteile, die deutsche Befragte in der stetig steigenden und verfügbaren Datenmenge sehen, zeigen die weiteren Ergebnisse: So geben 58 Prozent der Studienteilnehmer an, dass dank einem „mehr” an Daten ineffiziente Prozesse im Unternehmen aufgespürt und minimiert werden können. 42 Prozent meinen, ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit verbessern zu können. Weitere 39 Prozent nennen genauere Geschäftsprognosen und geringere Unsicherheiten bei Geschäftsentscheidungen als Vorteil. Mehr als jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) erhofft sich von stetig steigenden und verfügbaren Datenmengen die Fähigkeit, neue Talente besser und effektiver ansprechen zu können. Und knapp jeder vierte (23 Prozent) Studienteilnehmer gibt an, dass qualifiziertere Kundenleads generiert werden können. Lediglich zehn Prozent der Befragten sagen, dass ein „mehr” an Daten keinerlei Vorteile mit sich bringt. (Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich).
Trotz effizienterer Arbeitsprozesse sehen die hiesigen befragten Entscheider auch Nachteile, wenn es um den steigenden Informationsfluss geht. So befürchtet mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (55 Prozent) eine Verlangsamung ihrer IT-Systeme. Weitere 39 Prozent hegen Datenschutzängste und knapp jeder Zweite (48 Prozent) meint, dass sich Entscheidungsfindungen aufgrund sich widersprechender Daten künftig erschweren werden. Mehr als jeder dritte deutsche Respondent (39 Prozent) befürchtet, nur noch erschwert die für seine Arbeit benötigten Daten zu finden. (Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich).
Durch den zunehmenden Informationsfluss empfinden die deutschen Studienteilnehmer aber auch heute schon Nachteile. So geben 48 Prozent an, dass sie bei der täglichen Arbeit regelmäßig durch eingehende, aber für sie irrelevante Daten, gestört werden. Mehr als jeder Dritte (39 Prozent) gibt an, dass regelmäßig wichtige Entscheidungen im Arbeitsalltag verzögert würden, da zu viele Daten vorliegen. Jeder Vierte meint, dass wichtige Entscheidungen regelmäßig nicht getätigt oder übersehen werden. Grund hierfür ist die kaum zu bewältigende Datenmenge. 29 Prozent der Studienteilnehmer sagen, dass die Informationsflut die eigene Arbeit regelmäßig erschweren würde. Knapp jeder Fünfte (23 Prozent) hat zudem ständig Probleme, die für ihn wichtigen Daten im Arbeitsalltag herauszufiltern.
„Viele Unternehmen sehen aber nicht nur Nachteile in der stetig zunehmenden Menge an Daten und Informationen, sondern auch ein hohes Potenzial. Entscheider sind sich jedoch bewusst, dass sie einen kreativen und ganzheitlichen Ansatz für ihr Datenmanagement finden müssen. Dieser muss Personen, Prozesse und Technologien mit einschließen, um einen tatsächlichen Nutzen daraus ziehen zu können. Hier mangelt es aber meist an grundlegenden Messmethoden oder Methoden, die sich flexibel an die sich ändernden Unternehmensbedürfnisse anpassen lassen”, erklärt Dr. Robert Laube, Service Line Lead für Business Intelligence bei Avanade Deutschland, Österreich und Schweiz.
Genutzte Datenquellen Die weiteren Studienergebnisse zeigen, welche Quellen Unternehmen nutzen, um an für sie wichtige Daten zu gelangen. So gibt knapp jeder dritte deutsche Befragte (32 Prozent) an, benötigte Daten auf Basis seiner Kundenarbeit zu generieren. 29 Prozent erhalten benötigte Daten von der Geschäftsführung, 16 Prozent durch Lieferanten oder Zulieferer sowie Marktforschungsunternehmen. Weitere 13 Prozent erhalten notwendige Daten durch ihre Mitarbeiter und zehn Prozent durch Dritte wie etwa Onlinequellen oder Medienberichte.
Weiterhin zeigt sich, dass Unternehmen verfügbare Daten vor allem dafür nutzen, um die eigene Unternehmensperformance zu analysieren und zu prognostizieren (52 Prozent). 48 Prozent nutzen die eigenen Daten zudem, um redundante Prozesse im Unternehmen zu identifizieren und so etwaige Betriebskosten zu senken. Mehr als jeder dritte befragte Entscheider (35 Prozent) verwendet Daten, um Verkaufstrends zu prognostizieren, Wachstumschancen mit bestehenden oder potenziellen Kunden zu untersuchen oder um den künftigen Personalbedarf zu analysieren. Jeder Vierte nutzt gesammelte Daten, um den ROI zu analysieren und knapp jeder Fünfte (19 Prozent), um Branchentrends zu analysieren. (Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich).
Verbesserungen erwünscht Um den Herausforderungen, die stetig steigende Datenmengen mit sich bringen, erfolgreich zu begegnen, planen Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten in ihr Informationsmanagement zu investieren. Auf die Frage, welche Gründe ausschlaggebend sind, damit das Unternehmen in den nächsten Monaten bessere Leistungen erzielt, geben die Studienteilnehmer folgende Voraussetzungen an: So meinen 61 Prozent der deutschen Entscheider, dass hierfür ein schneller Zugang zu Daten notwendig ist. 52 Prozent halten Mitarbeiterschulungen zum effektiven Umgang mit Daten für wichtig, 45 Prozent möchten auf mehr Datenquellen zugreifen und 32 Prozent halten verbesserte Such- und Filtertools für wichtig. (Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich).
Darüber hinaus planen deutsche Befragte ernsthaft in ihre IT-Systeme zu investieren oder haben dies bereits getan. So wollen hiesige Unternehmen vor allem ihre Sicherheitslösungen aufrüsten (74 Prozent), um dem steigenden Informationsfluss begegnen zu können. Weitere 65 Prozent planen, in ihr CRM-System zu investieren oder haben dies bereits getan. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (55 Prozent) möchte zudem ihr ERP-System sowie BISystem (52 Prozent) ausbauen. (Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich).
„Wir sehen, dass Entscheider künftig einen noch schnelleren Zugang zu Daten anstreben, um den Informationsüberfluss bewältigen zu können. Obwohl es wichtig ist, frühzeitig an relevante Daten zu gelangen, ist der Kontext weitaus relevanter, um Daten richtig interpretieren und so die richtigen Unternehmensentscheidungen zur richtigen Zeit treffen zu können. Unternehmen müssen daher eine klare Strategie definieren, wie sie den Herausforderungen des Information Overload begegnen werden. So geht das Analystenunternehmen IDC beispielsweise davon aus, dass sich das weltweite Datenvolumen alle 18 Monate verdoppelt. Gartner prognostiziert zudem, dass die Menge an Unternehmensdaten in den nächsten fünf Jahren um 650 Prozent zunehmen wird.” |